Hügelgräber

Eisenzeitliche Grabhügel sind faszinierende Zeugnisse vergangener Kulturen, die uns heute Einblicke in die Sozialstruktur, den Glauben und die Handwerkskunst der Menschen zwischen etwa 800 v. Chr. und der Zeitenwende geben.

In Europa verbindet man diese Monumente vor allem mit der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit) und der La-Tène-Zeit (jüngere Eisenzeit).

Ein kleiner Tipp für Entdecker:

Viele Grabhügel in hessischen Wäldern sind für das untrainierte Auge schwer zu erkennen, da sie oft nur noch 0,5 bis 2 Meter hoch sind. In topografischen Karten sind sie oft als kleine Kreise mit der Beschriftung "Hügelgrab" markiert.

Rundweg

Aufbau und Konstruktion

Ein Grabhügel (auch Tumulus genannt) ist weit mehr als nur ein Erdhaufen. Er war oft ein komplexes Bauwerk:

  • Kern:
    Im Zentrum befand sich meist eine zentrale Bestattung. Eine Grabkammer aus Holz oder Steinplatten ist dabei nicht immer vorhanden. Gerade in der älteren Eisenzeit wurden viele Gräber zu ebener Erde ohne Grabkammer angelegt.
  • Schutzschichten:
    Über der Zentralbestattung wurden Schichten aus Steinpackungen, Lehm und Erde aufgetürmt, um die Totenruhe zu schützen und die Sichtbarkeit zu erhöhen.
  • Einfriedung: 
    Viele Hügel waren von einem Graben oder einem Steinkranz umgeben, der die sakrale Fläche vom Umland trennte.

Bestattungsriten

  • In der Hallstattzeit dominierten zunächst Brandbestattungen. Die Überreste der Verstorbenen wurden in Urnen verfüllt und im Anschluss unter einem Grabhügel beigesetzt.
  • Die Grabhügel besitzen meist eine Zentralbestattung, zu der sich mehrere Nachbestattungen im oberen Teil des Hügels gesellen können. Dies deutet auf eine Nutzung der Grabstätte über mehrere Generationen. Neben der Urne können auch mehrere Beigefäße vorkommen, die mit Speise- und Trinkbeigaben in Verbindung gebracht werden. Darüber hinaus finden sich manchmal auch metallene Grabbeigaben, die zum persönlichen Besitz des Verstorben zu zählen sind. Beispielsweise eiserne Messer, Fibeln oder Arm- und Halsringe aus Bronze.
  • Im Kontrast zu den Urnengräbern dazu erscheinen einige wenige herausragende Gräber, bei denen die Toten unverbrannt blieben und in gestreckter Rückenlage bestattet wurden. Hier finden sich teilweise herausragende Grabbeigaben in Form von vierrädrigen Prunkwagen, die den Toten als Angehörigen einer sozialen Elite ausweisen.

Die soziale Hierarchie: "Fürstengräber"

Nicht jeder Eisenzeitler bekam einen Hügel. Es bleibt jedoch fraglich ob die Größe des Tumulus immer etwas über den sozialen Status des Verstorbenen aussagt.

  • Prunkgräber:
    Besonders große Hügel wie der am Glauberg (Frühlatène) oder in Hochdorf (Späthaltatt) enthalten oft spektakuläre Beigaben.
  • Beigaben:
    Goldener Schmuck, Prunkwaffen (Schwerter, Dolche), kostbares Importgeschirr aus dem Mittelmeerraum (etwa griechische Trinkschalen oder etruskische Bronzekannen) und sogar ganze Streitwagen.
  • Status:
    Diese Funde belegen eine stark hierarchische Gesellschaft mit einer Elite, die weitreichende Handelskontakte pflegte.

Das Grabhügelfeld Junkernheck

Luftaufnahme Junkernheck
Luftaufnahme der Grabhügelfelder "Junkernheck"

1,5 km südwestlich der Ortschaft Ohren, Gem. Hünfelden liegt auf einem NS verlaufenden Höhenrücken das eisenzeitliche Hügelgräberfeld „Junkernheck“. Die Grabhügelgruppe umfasst rund 130 kleinere und größere Hügel von denen die größten über zwei Meter Höhe und mehr als 30 m Durchmesser erreichen. Obwohl viele Hügel moderne Beschädigungen aufweisen, sind keine zugehörigen Grabfunde bekannt. Reguläre Ausgrabungen haben bislang nicht stattgefunden. Art und Umfang der Grabhügelgruppe lässt darauf schließen, dass sie mehrheitlich der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit) Mitte 8. bis frühes 5. Jahrhundert v. Chr. angehört.

Bekannte Fundstätten

Einige der berühmtesten eisenzeitlichen Grabhügel im deutschsprachigen Raum sind:

Fundort

Zeitstellung

Besonderheit

Hochdorf an der Enz

Hallstattzeit

Nahezu ungeplündertes "Fürstengrab" mit Kelten-Sofa (Kline) und riesigem Bronzekessel.

Glauberg

La-Tène-Zeit

Berühmt für die lebensgroße Steinstatue eines keltischen Fürsten.

Vix (Frankreich)

Hallstattzeit

Grab einer "Fürstin" mit einem gigantischen Bronzekrater (Mischgefäß für Wein).

Magdalenenberg

Hallstattzeit

Einer der größten Grabhügel Mitteleuropas mit über 100 Nachbestattungen.

Warum hat man sie gebaut?

Neben der Funktion als Grabstätte dienten diese Monumente als Landmarken. Sie markierten den Besitzanspruch eines Clans über ein Territorium und dienten der Ahnenverehrung. Ein Grabhügel an einer Handelsroute oder auf einer Anhöhe war ein weithin sichtbares Statement von Macht und Kontinuität.

Viele Grabhügel sind heute im Gelände kaum noch zu sehen, da sie über Jahrhunderte durch Landwirtschaft eingeebnet wurden. Archäologen entdecken sie oft erst durch Luftbildaufnahmen oder Magnetprospektion, da sich die Bodenbeschaffenheit in den ehemaligen Gräben vom Umfeld unterscheidet.

Hessen ist ein wahres Kernland der keltischen Kultur, besonders was die Übergangsphase von der Hallstatt- zur La-Tène-Zeit angeht. Die dichte Bewaldung und die fruchtbaren Böden der Wetterau boten ideale Bedingungen für die eisenzeitliche Elite.

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